Wofür steht Unified Communications?
Unified Communications UC ist nicht nur eine Technik oder Technologie.
Es geht darum, dass unser Kommunikationsverhalten sich ändert. Und UC in Unternehmen einzuführen bedeutet auch, eine Unternehmensweite Strategie für ein modernes Kommunikationsverhalten umzusetzen und zu leben.
Daher sollte auch nicht nur über verfügbaren Bandbreite und Latenzzeiten gesprochen werden, sondern auch über die Arbeitsabläufe der Mitarbeiter.
Alle Technologie dazu wird nur von Anwendern eingesetzt werden, die den Mehrwert darin sehen. Wenn sich niemand am Präsenzinformationsclient anmeldet, dann muss man diesen auch gar nicht erst kaufen bzw. installieren. UC lebt von dem Menschen, die die Tools dazu anwenden.
Unified Communications sollten wir nicht ins Deutsche übersetzen mit "Vereinheitlichter Kommunikation". Dies würde suggerieren, dass UC versucht, die Kommunikationsformen zusammenzuführen und zu verschmelzen. Dies wird auch UC nicht schaffen. Es bleiben zig verschiedene Formen der Kommunikation erhalten, und ich glaube, dass auch Fax in 10 Jahren noch immer existieren wird.
Kommunikationsmöglichkeiten heute
Wir können jemanden per E-Mail, per Telefon auf dem Festnetz im Büro, dem Handy oder privat erreichen. Wir können faxen, SMSen, gelbe Zettel auf den Monitor kleben, über den Gang rufen, heute auch twittern oder facebooken, einen Brief per Post senden, Sofortnachrichten schicken, Videoconferencing oder VoIP verwenden oder - wer es kann - telepathisch kommunizieren. Es werden nicht weniger, sondern eher mehr Möglichkeiten, mit denen wir in Kontakt treten können. Was vor lauter elektronischer Kommunikation ggf. sogar auf der Strecke bleibt, und oft gar nicht mehr erwähnt wird, ist das menschliche Gespräch von Angesicht zu Angesicht.
Die Mitarbeiter gehen nicht mehr jeden Tag an den Arbeitsplatz, 25 Jahre lang.
Wenn in einem Unternehmen heute Herr Müller seit 25 Jahren den gleichen Job macht und im gleichen Büro am gleichen Schreibtisch mehr oder weniger festgelötet sitzt, dann braucht dieses Unternehmen keine UC-Lösung. Denn jeder Anwender weiß immer, wer wo wann zu finden ist und zuständig ist.
Daher muss, bevor wir das Lösungsthema UC adressieren geklärt werden, ob ein Bedarf überhaupt vorhanden ist. Dies ist ein strategischer Ansatz und wird null RoI bringen, wenn nicht die Mitarbeiter die Tools auch nutzen. Damit sind hier ganz stark im Sales Ansatz Wertvoll-Verkaufen.
Integration in Geschäftsprozesse
Wichtige Funktionen und Features
Unified Messaging UM
Unter Unfified Messaging versteht man seit einigen Jahren die Verbindung von verschiedenen Kommunikationstechnologien im Posteingang. Im Wesentlichen Voice und Fax.
Mit Exchange Server 2007 kam UM hinzu. Allerdings erlaubt Exchange zwar Faxe zu senden und zu empfangen, ist aber weit weg von einer "Faxlösung". Hier bietem sich Thirdparty-Produkte wie Ferrari etc. an.
Die Voice-Integration ist allerdings sehr gut gelungen und wurde mit Exchange 2010 noch um weitere Funktionen erweitert.
Hier sind die allgemeinen (Versions-unabhängigen) Funktionen von UC gelistet. Nähere Details finden Sie auf den jeweiligen Produktseiten:
Viele Kunden tun sich schwer beim Erkennen des Mehrwerts, daher ein paar Beispiele:
- Kunde ruft mich an und hat eine Frage, die ich nicht beantworten kann. Bevor ich sage, ich kläre das und rufe Sie in 2 Tagen zurück, kann ich parallel zum Telefonat per Sofortnachricht einen Kollegen rückfragen. (macht auch einen professionellen Eindruck)
- Bevor ich jemanden anrufe, sehe ich den Präsenzstatus und frage trotzdem lieber kurz, ob ich stören darf
- ganz kurze Fragen, die sofort beantwortet werden müssen
- in einer Telefonkonferenz kann ich per IM Rückfragen an einen anderen Teilnehmer stellen, um "hintenrum" Dinge abzusprechen.
Der Exchange Server beherrscht Text-to-Speach aber auch Speach-to-Text.
So kann er einen erhaltenen Anruf in Text umwandeln und seit der Version 2010 diesen zu dem Audio-Attachment dazubinden. Dies hilft, wenn man gerade kein Audio abspielen kann, z.B. in einem Meeting oder am Flughafen, und man kann die Suche auch auf Voice-Nachrichten anwenden.
Viele hochprofessionelle Video- und Telepresence-Anlagen sind oft gar nicht in Gebrauch, weil die Anwender sie nicht zu bedienen wissen. Microsoft setzt auf den simplen, mal schnell Adhoc-Meeting-Ansatz. Polycom und Tandberg-Anlagen ergänzen den OCS/Lync. Polycom ist Partner von Microsoft!
Dieses Video ist schon ein paar Tage älter, aber zeigt noch immer sehr gut die Benefits von Unified Communications auf:
Wo liegen die Pains bei Kunden was das Thema UC angeht? Ich denke, jeder Kunde hat den Begriff VoiP auf seiner To-Do-Liste, wenn nicht sogar schon umgesetzt. Viele scheuen aber noch den Schritt (siehe Einwandsbehandlung unten). Es ist nicht ganz einfach, möglichst schnell herauszufinden, welches der UC-Themen dem Kunden am meisten Mehrwert bringen wird. Bevor Sie in alle Funktionen tief einsteigen, klären Sie seine Bedürfnisse und deren Prioriäten.
Was darüber hinaus noch hilft sind folgende treibenden Themen:
Aschewolken als Pain
Als der Vulkan Eyjafjallajökull in Island im März 2010 den Himmel verdunkelte haben viele Unternehmen schmerzlich festgestellt, dass sie Termine nicht einhalten konnten, zu Meetings nicht fliegen konnten. Ich habe von Taxifahrten für mehrere Tausend Euro gehört, um irgendwohin zu kommen... Und für die Hersteller und Reseller von Videokonfernz-Anlagen war die Aschewolke verantwortlich für deutliche Umsatzsteigerungen.
Das Dilemma der Erreichbarkeit
Für mich das "Unwort" des Jahres: Push-Mail.
Das "aufgedrückt"-Bekommen von E-Mails, zeigt wie groß unsere Abhängigkeit und auch Unmündigkeit gegenüber dem Medium ist. Früher hat man ein paar Tage Zeit gehabt, um ein Schreiben zu beantworten. Man hatte auch die Zeit, um über das Schreiben nachzudenken. Sie werden einige Studien im Internet finden, die belegen, wie heute zu schnell getroffene Entscheidungen, Fehlentscheidungen sind, weil wir keine Zeit haben und sofort zurück "pushen" müssen.
Aber: die Kommunikationsflut ist nicht das Problem. Sondern wie wir mit ihr umgehen. Burnouts, falsche weil zu schnelle Entscheidungen, immer überall erreichbar sein, das führt zu Problemen. Wenn wir lernen würden - wie es die Digital Natives alle tun - zu unterscheiden, ist dies wichtig oder nicht, geh ich ran oder nicht und wenn wir aufhören würden, uns tyrannisieren zu lassen von dem "Push", dann wäre es von Vorteil, mit allen Technologien, Medien und Möglichkeiten, verbunden zu sein.
Um so wichtiger ist es, UC nicht einfach nur zu "installieren", sondern den Mitarbeitern einen "Knigge" beizubringen, wie organisiere ich meine Kommunikation. Darin liegt übrigens außerdem weiteres Dienstleistungspotenzial...
UC and C: Faktor Zusammenarbeit mit einbeziehen
UC macht vor allem dann Sinn, wenn auch die Inhalte der Kommunikation für alle Beteiligten einsehbar sind. So muss in einem Virtuellen Meeting die Excel-Tabelle für alle sichtbar sein, oder besser noch: man kann gemeinsam in ihr arbeiten.
Daher sollten wir das Thema UC nie ohne das Thema Collaboration verkaufen. Da bei Microsoft die entsprechenden Produkte höchstgradig verzahnt sind, erhöht sich der Produktivitätsgedanke ungemein.
Office Web App oder auch Application Sharing oder Co-Authoring sind die Funktionen, die SharePoint hier liefert und als Dreh- und Angelpunkt für Collaboration Szenarien verfügbar macht.
Rechtliche Aspekte - Backup und Archivierung
Wenn ein Unternehmen heute E-Mails nach revisionsicheren Vorgaben archiviert, gelten automatisch dieselben Compliance-Regeln auch für übertragene Sofortnachrichten. Diese sollten also archivierbar sein ohne extra Tools dafür einsetzen zu müssen. Microsoft Lync oder auch Communications Server integrieren Sofortnachrichten, aber auch VoiP-Anrufe in Outlook.
Dort kann der Benutzer mit der Outlook-Suche auch Sofortnachrichten finden und der Administrator führt das Backup und die Archivierung automatisch auch für Anrufe und Sofortnachrichten durch.
Derzeit raten viele Systemhäuser von der Virtualisierung der UC-Server ab, da der Verlust der Sprachqualität noch zu hoch ist. Hier wird wohl die nächste Generation einen Fokus darauf haben.
Ein Trend geht auch in Richtung Communications as a Service (CaaS). Hier liegt die Rechenleistung im Rechenzentrum eines Providers. Auch hier ist die schnelle Bereitstellung ein Vorteil, aber natürlich eine schwache Internet-Anbindung ein K.O.-Kriterium.
Und UC ist oft eine Service, der nicht groß customized werden muss, daher also gut "aus der Steckdose" bezogen werden kann.
Zahlen, Studien und monetäre Gesichtspunkte
Es wird immer mit den eingesparten Reisekosten für Meetings argumentiert. Diese lassen sich vermutlich am einfachsten berechnen. Es geht aber um weit mehr.
Hier ein paar Ansätze: