Überall taucht der Begriff „App“ auf, wird völlig unterschiedlich verwendet, besteht aus unterschiedlichsten Technologien und sorgt für Verwirrung. Daher klären wir hier mal auf!

Inhalt

Bislang kannten wir die Begriffe für Anwendungen und Applikationen. Damit waren immer Softwareentwicklungen gemeint, die sich im Betriebssystem installierten (über MSI-Pakete oder Setup.exe oder ähnliche Methoden). Diese Applikationen integrierten sich ins Betriebssystem in der Registry, legten Dateien in eigenen Programm-Ordnern und im zentralen Windows-System-Ordner ab. Die Idee war, dass Anwendungen sich in ihren Funktionen gegenseitig nutzen konnten. Und natürlich gibt es diese Anwendungen noch immer und bei uns auf den Webseiten werden wir sie auch weiterhin so nennen.

App-V – Anwendungsvirtualisierung

Dann kam App-V, um eine Anwendung in eine Sendbox/Blase/insoliert bereitzustellen. Der Anwendung wurde vorgekaukelt, dass sie eine Registry und Ordner hat, tatsächlich aber gab es keine Integration in das vorhandene Betriebssystem Die Anwendungsvirtualisierung war ein wichtiger Schritt, um bei der Migration von Windows XP Inkompatibilitäten zu begegnen.

(Application Virtualization (App-V) und User Experience Virtualization (UE-V) sind jetzt fester Bestandteil von Windows 10 Enterprise und Windows 10 Education (was war das noch? Steht hier: https://www.skilllocation.com/microsoft-desktop-optimization-pack-mdop/).)

Nähere Infos hierzu: https://www.skilllocation.com/microsoft-virtualisierung

Remote Apps

Seit Windows Server 2008 gibt es über die Terminal Server Technologie bereits die Möglichkeit, nicht mehr den gesamten Windows Desktop als Session bereit zu stellen, sondern nur eine Anwendung. Diese muss Terminal Server tauglich sein, ist auf dem Terminal Server bzw. Remote Desktop Services installiert und wir per RDP übertragen.

Seit 11.12.2014 gab es RemoteApp auch für Azure. RemoteApp wird als Service eingestellt zum 12.8.16. Microsoft verweist auf Citrix XenApp “express”,  um die Lösung via Azure bereitzustellen. Existierende Azure RemoteApp Kunden werden supportet bis 31. August 2017. Der Neuwerb von Azure RemoteApp wird eingestellt zum 1. Oktober 2016. Citrix wird übrigens auch ihre Apps für iOS und Android mit Microsoft Intune koppeln und Support für Azure Active Directory Identity integrieren (in 2H 2016).

Apps für Windows 8/8.1 – Modern Apps

Und vor allem durch das iPad kamen plötzlich Apps dazu. Um nicht mehr Cloud-basierende Anwendungen immer im Browser öffnen zu müssen und um kleine, abgeschottete Entwicklungen schnell auf die Endgeräte zu bringen, entwickelte man einen Store, über den die Apps downloadbar waren. Dies hat Microsoft nun auch über den Windows Store (ab Windows 8) geschafft.

Modern Apps werden anders programmiert. z.B. mit modernen Programmiersprachen wie HTML5, CSS3und JavaScript. Bei Windows 8 laufen sie als .appx-Dateien isoliert und abgeschottet vom anderen Apps und auch vom Kernbetriebssystem. Dh sie registrieren sich nicht mehr, sie sind auch nicht mehr unter Programme und Funktionen gelistet.

Entwicklern stehen für Windows 8 Apps spezielle Werkzeuge bereit: Microsoft Visual Studio Express und Microsoft Expression Blend, das optimierte Windows 8 SDK sowie personalisierte App- und Telemetrie-Daten. Das soll die App-Entwicklung vereinfachen.

Universal Apps für Windows 10

Auf der Build Konferenz in San Francisco am 2.4.14 hat Microsoft die Universal Apps angekündigt: Dank einer vereinheitlichten Codebasis können nun Apps erstellt werden, die auf allen Endgeräten (ab Windows 10) laufen, von Smartphone, über Tablet bis hin zum PC. Die passenden Tools für die Erstellung dieser Universal Windows Apps gibt es auch schon: Visual Studio 2013 Update 2 RC beinhaltet „Shared Projects“, mit dem die Entwicklung einer App für verschiedene Geräte ermöglicht wird.

Ein Beispiel hierfür ist Excel Mobile, welches auf allen Windows 10 Devices läuft, aber auch für iPhone oder Android verfügbar ist.

Neben den UWP (Universal WIndows Platform) Apps hat Microsoft bereits öfter darüber gesprochen, auch iOS und Android Apps auf Windows 10 lauffähig zu machen oder eine Konvertierung einfacher zu machen oder oder. Offenbar ist das aber nicht so einfach. Ein Ansatz ist nun Xamarin. Die Idee ist eine gemeinsame Code-Basis für iOS, Android und Windows, mit Xamarin wird es möglich, native Apps für alle Plattformen zu erstellen und so viel Code wie möglich zwischen diesen zu teilen.

Windows Desktop Bridge

Für Entwickler ist die Windows Desktop Bridge seit 26.10.16 verfügbar. Mit der Desktop Bridge können vorhandenen Anwendungen und Spiele zur Universal Windows Platform übertragen werden.

Diese können dann über den Windows Store inkl. einer Monetarisierung vertrieben oder weiterhin über vorhandenen Kanäle genutzt werden.

  • OneKlick Installation
  • Automatische Updates der Apps
  • Cleaner/Uninstall Prozess
  • Live Tiles (Kacheln mit aktivem Inhalt)
  • Push Notifications

Konzept: Das Tool Windows Desktop Bridge installieren, die Anwendung installieren, und hoffen, dass es geklappt hat (Ich berichte, sobald ich es getestet habe). Alle Registry Einträge und Install-Infos werden in Manifest-Dokumente gespeichert, die Anwendung wird gepackt, gewartet und als UWP-App-Paket (eine APPX- oder APPXBUNDLE-Datei) für Windows 10 Desktop bereitgestellt (also scheinbar nciht als Phone-App)

Weitere Infos hier: https://developer.microsoft.com/de-de/windows/bridges/desktop

Windows Store und Windows Store for Business

Universal Apps werden über einen Store zur Verfügung gestellt. Damit Endanwender auf den Windows Store zugreifen können, benötigen sie ein Microsoft-Konto (ehemals Live ID). Mit Windows 10 kommt der Universal Store, der sowohl für Desktops als auch Mobile Phones Universal Apps anbietet.

Mithilfe einer Gruppenrichtlinie lässt sich die Nutzung des Windows Stores unterbinden.

Und seit November 2015 gibt es den Store im Store oder auch Private Store bzw. Windows Store for Business unter http://www.microsoft.com/de-de/business-store. Hierfür wird bereits Windows 10 ver 1511 benötigt.

Die Anmeldung/Registrierung erfolgt mit einem Unternehmenskonto (z.B. mit einem Microsoft Azure Active Directory- oder einem Microsoft Office 365-Konto).

Enterprise Sideloading

Apps, die mittels Enterprise Sideloading bereitgestellt werden sollen, haben bestimmte Voraussetzungen:

Windows RT Geräte unterstützen keine Anbindung an das Active Directory. Damit diese Geräte dennoch Enterprise Sideloading nutzen können, gibt es einen neuen Verwaltungsclient namens SSP. SSP fungiert als eine Art Bindeglied zwischen der Verwaltungsinfrastruktur und Windows RT und ermöglicht es, im Unternehmensnetzwerk bereitgestellte Apps auf Windows RT Geräten zu installieren. Diese Methode vereinfacht es Administratoren, Windows RT Systeme für das Enterprise Sideloading vorzubereiten und Nutzern Apps bereitzustellen.

Office Mobile Apps

Office Mobile Apps sind z.B. Word Mobile, Excel Mobile etc. Diese Apps sind Universal Apps für alle Windows 10 Devices und über den Windows Store verfügbar, sie laufen aber auch auf iPhone und Android. (Und benötigen ein berechtigendes Office 365 Abonnement)

Office Web Apps / Office Online

Anwendungen, die im Browser laufen, also lokal überhaupt nicht installiert sind und damit auch nicht offline-fähig nennen sich bei Microsoft Office Web Apps. So können Excel, PowerPoint, Word und OneNote über SharePoint-Server im Browser editiert werden. Übrigens auch Outlook, das allerdings einen Exchange Server hierfür benötigt und seit neuestem nicht mehr OWA für Outlook Web Access heißt, sondern für Outlook Web App. Naja, und seit Oktober 2015 heißt es Outlook im Web (mit Office 2016) und die Office Web Apps heißen Offine Online. Sie sind z.B. bei Office 365 inkludiert.

Sie benötigen einen Server, der die Aufbereitung in den Web Server (Internet Information Server IIS) übernimmt. Dies ist der Office Online Server OOS.

Office Apps / Apps für Office / AddIns für Office

Eine App für Office ist eine Webseite, die für eine Office-Clientanwendung erstellt und in dieser gehostet wird, um die Fähigkeiten eines Dokuments, einer Tabelle oder einer E-Mail zu erweitern.

Die Ausführung ist möglich in:

  • Office-Desktop-Clients
  • Office Online
  • Mobilen Browsern

Office selbst wird weiterhin noch als klassische Anwendung installiert. Dennoch spricht Microsoft von Office Apps. Dies sind Cloud-basierte Anwendungen, die innerhalb von Office integriert sind. Jetzt wirds völlig unverständlich? Dann helfen Demo-Beispiele:

Apps für Office werden über den Microsoft Office Store heruntergeladen.

Office Store

Der Office Store wird von Microsoft gehostet und gepflegt. Hier können Entwickler auf der ganzen Welt ihre benutzerdefinierten Office-Lösungen bzw. Office Apps veröffentlichen und verkaufen. Endbenutzer und IT-Spezialisten können diese benutzerdefinierten Office-Lösungen für den privaten oder geschäftlichen Gebrauch herunterladen. Im Office Store wird der gesamte Downloadvorgang für Verbraucher abgewickelt – von der Suche über den Kauf bis hin zu Upgrades und Updates.

Dateibasierter App-Katalog: IT-Abteilungen und Entwickler können Aufgabenbereich- und Inhalts-Apps in einer zentralen Dateifreigabe bereitstellen, in der die Manifestdateien gespeichert und verwaltet werden. Benutzer können die Apps dann abrufen, indem sie diese Dateifreigabe als vertrauenswürdigen Katalog angeben. Alternativ kann ein IT-Administrator die Dateifreigabe mithilfe von Gruppenrichtlinien als vertrauenswürdigen Katalog konfigurieren.
Die Apps für Office sind auf der Build 2015 wiederum umbenamt worden in AddIns für Office.

Im Prinzip entspricht das wieder den früheren Ansätzen, über den rechten Aufgabenbereich (früher z.B. über Information Bridge Framework), eine Integration in Backend-Lösungen zu implementieren, ohne das Standard-Office Paket customizen zu müssen. Dies ist wichtig, wenn es um die automatische Migration der Office-Pakete via Office 365 geht.
Die App selbst kann z.B. auf Azure gehostet werden.

SharePoint Apps

Apps für SharePoint sind benutzerfreundliche, unkomplizierte Webanwendungen, die die Fähigkeiten einer SharePoint-Website erweitern:

  • Ganzseitige Benutzererfahrungen
  • Teilen einer Webseite
  • Benutzerdefinierte Oberflächenaktionen

Dies könnte sein, eine vom Provider gehostete App auf einer Microsoft Azure-Website, die sich in einen SharePoint-Workflow integrieren lässt oder eine in SharePoint gehostete App, die die SharePoint-Suche und die Bing-Suche nutzt oder eine vom Provider gehostete App in einer Windows Azure-Webrolle, die sich in einen SharePoint-Kalender integrieren lässt oder oder.

Auch die klassischen Webparts sind nun in SharePoint Apps (teilweise) umbenannt.

Office 365 Apps

Der App Launcher in Office 365 kann seit September 2014 auf andere Apps (SaaS) ausgeweitet werden.

und bekommt im Oktober 2016 ein neues Design:

 

Unternehmens-Apps

„Unternehmensanwendung“ oder „Unternehmens-App“ bezeichnet eine Windows Phone-App nebst sämtlicher zugehöriger Bugfixes, Updates oder anderer entsprechender Modifizierungen, die die Zertifikatsoftware beinhaltet und im Einklang mit den Bedingungen dieses Zusatzes und des Vertrags für Entwickler von Apps verfügbar gemacht wird.

PowerApps

Die PowerApps ermöglichen es, dass auch Anwender ohne Programmierkenntnisse mobile Anwendungen für Windows, iOS und Android erstellen können, die mit Cloud Services wie Office 365, Dynamics CRM, Salesforce, Dropbox und OneDrive und On-Premise-Systemen inklusive SharePoint, SQL Server, Oracle Databases, SAP und anderen nahtlos zusammenarbeiten. Das Baukastensystem funktioniert auch ohne Programmierkenntnisse.

PowerApps (Codename Project Kratos) ist eine Sammlung von Werkzeugen, die es Fachanwendern erlaubt in einfacher Art und Weise Apps für Smartphones, Tablets (iOS, Windows) sowie Windows 10 PCs zu erstellen.

Project „Siena“ war lange Zeit eine Beta-Version, zunächst dachte ich PowerApps wird die finale Variante davon. PowerApps lehnt zwar an Project Siena an und ersetzt es, hat jedoch eine andere CodeBasis.
https://powerapps.microsoft.com/de-de/

Dieser Anwendung haben wir eine eigene Seite gegeben: https://www.skilllocation.com/powerapps/

Azure Apps

Über Azure lassen sich Apps natürlich hosten und entwickeln, aber interessanterweise auch koppeln und automatisieren. Das wird hier näher beschrieben: https://www.skilllocation.com/microsoft-azure/ ( Integration Platform as a Service iPaaS)

AppLocker

Mithilfe einer Gruppenrichtlinie lässt sich die Nutzung des Windows Stores unterbinden. Administratoren können die Nutzung bestimmter Apps aus dem Windows Store aber auch mithilfe von AppLocker erlauben oder verbieten.

Device Lockdown / Assigned Access: Beschränkung des Zugriffs auf die im Windows-Store zugelassenen Apps

Geändert am: 9. November 2016 von Carola Pantenburg